[Buchbesprechung] Ronald H. Balson – Hannah und ihre Brüder

Moin Moin,

zu meinen Themenschwerpunkten gehören Bücher “Wider des Vergessens” und so war es für mich eine große Freude “Hannah und ihre Brüder” von Ronald H. Balson lesen und besprechen zu dürfen.  Dank Netgalley und dem Aufbau Verlag konnte ich dies in Form eines E-Book-Besprechungsexemplar tun. Wenn ihr wissen möchtet, wie mir das Buch gefallen hat, dann müsst ihr weiter lesen.

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Klappentext von der Verlagsseite

Einst liebten sie einander wie Geschwister.
Nun stehen sie sich als Todfeinde gegenüber.

Bei einer Gala wird ein angesehener jüdischer Bürger Chicagos vom hochbetagten Ben Solomon bedroht und beschuldigt, ein SS-Offizier zu sein. Obwohl alles auf eine Verwechslung hinweist, engagiert Ben die Anwältin Catherine Lockhart und ihren Ermittler Liam Taggart – er ist sich sicher, seinen Ziehbruder zu erkennen, der einst Bens Familie und seine Geliebte Hannah verriet. Bei ihrer Recherche stoßen Catherine und Liam auf das Schicksal dreier Kinder im kriegszerrütteten Polen, die wie Geschwister aufwachsen und einander als Feinde wiederbegegnen. Aber beschuldigt Ben den Richtigen?

Ein hochspannender Roman über eine Familie, die in Zeiten des Krieges zerstört zu werden droht, und zwei Liebende, die um ihr Glück ringen.

 

Autoreninfo von der Verlagsseite:

Ronald H. Balson ist Rechtsanwalt, und seine Fälle führten ihn um die ganze Welt, unter anderem nach Polen. Die Geschichte des Landes im Zweiten Weltkrieg inspirierte ihn zu diesem Roman, der ein internationaler Bestseller war. Heute lebt und schreibt Ronald H. Balson in Chicago.

Im Aufbau Taschenbuch liegen seine Romane „Karolinas Töchter“, “Hannah und ihre Brüder” und “Ada, das Mädchen aus Berlin” vor.

Erster Satz:

Ben Solomon band seine Fliege vor dem Spiegel im Bad.

Meinung:

Zugegeben ich wäre auch stutzig, wenn ein Mann vor mir stände und behaupten würde der angesehenste jüdische Mann Chicagos, Elliot Rosenzweig,  ist ein SS-Offizier. Dann würde ich im ersten Moment auch denken, der Mann verwechselt wen, so geht es auch Liam Taggart und Catherine Lockhart, aber dann werden sie hellhörig, denn Ben Solomon beharrt auf seinem Standpunkt und bringt Beweise gegen ihn an

Nur wie stichhaltig sind diese? Und ist Elliot Rosenzweig wirklich der, den er vorgibt zu sein? Diese Fragen habe ich mir während des gesamten ersten Drittels gestellt. Irgendwann fing ich Ben an zu glauben und ich habe mich tief in die Geschichte um Ben, Elliot und Hannah fallen lassen.

Ronald H. Balsons erster Band um den Privatermittler Liam Taggart und der Rechtsanwältin Catherine Lockhart spielt auf zwei Zeitebenen. Zu einem im Jahr 2004  in den USA und zum  anderen ab 1933 in Polen in Zamosc. Dort wächst Ben Solomon zusammen mit Otto Piontek, einen deutschen Jungen auf. Dessen Vater sah sich nicht in der Lage für ihn zu sorgen und Bens Vaters nahm in sein Haus auf. Als schließlich die Deutschen in Polen einmarschierten, nahm Otto auf Drängen von Solomons Familie einen Posten bei den deutschen Besatzern an. Er machte schnell Karriere und aus Freunden wurde Feinde.

Vor diesem Hintergrund versucht Ben Solomon Taggart und Lockhart zu erklären, dass jener Otto Piontek von damals heute Elliot Rosenzweig ist. Da Ben stur darauf beharrt und Rosenzweig sich durchsetzt muss Ben erst einmal ins Gefängnis. Aber Taggart und Lockhart geben nicht auf und beginnen zu ermitteln und was sie herausfinden ist erschütternd.

Ich musste immer wieder schwer schlucken als ich die Passagen aus der damaligen Zeit las. Ronald H. Balson gelingt es ohne Weiteres die Grauen der damaligen Zeit, die sowohl Ben als auch seine Jugendliebe Hannah und spätere Ehefrau durchlebt haben eindrücklich rüber zu bringen. Das Ghetto von Zamosc, die Partisanenkämpfe, die stetige Angst vor dem entdeckt werden und der Verlust von Heimat, Familie und Vertrauen. Er beschreibt all dies tiefgründig, sensibel und packend erzählend. Wie gesagt, musste ich immer wieder schlucken bei manchen Abschnitten und ja er beschönigt nichts, er stellt aber auch nichts grauenvoller dar als es war. Es war einfach grauenvoll und ich konnte so gut Ben Solomons Wunsch nachvollziehen im Jahr 2004,Elliot Rosenzweig zu überführen, der nicht nur seinem Freund und Ziehbruder gegenüberstand, sondern auch seinen schlimmsten Alptraum.

Auch wenn es stetige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gab, so war es nie schwierig der Handlung zu folgen. Grund dafür ist der packende und flüssige Schreibstil von Balson, der mich immer wieder dazu brachte weiter zu lesen, auch wenn ich eigentlich nur noch das Kapitel beenden wollten. Die Spannungsbögen, die er einbaut sind immer passend und so las ich ungewollt immer weiter. Gerade, weil auch der historische Hintergrund über die Verfolgung und Tötung der polnischen Juden stichhaltig recherchiert und gekonnt mit der Geschichte um Ben und Hannah Solomon und Otto Piontek verwoben ist. Zwischendurch bekam ich als Leserin eine kleine Atempause, um das gelesene zu verarbeiten und darüber nachzudenken, aber dies hielt nie lange an.

Neben dem packenden Erzählstil ist es Ronald H. Balson auch noch gelungen packende und sehr differenziert ausgestaltete Protagonisten zu schaffen. Sie sind nie eindimensional und über die 496 Seiten hinweg, bemerkte ich als Leserin einen Wandel in den Personen, sie veränderten sich nicht immer zum Guten. Ben ist mir nicht nur in der Gegenwart ans Herz gewachsen, sondern auch schon in der polnischen Zeit. Er ist ein mutiger Mann, der für Gerechtigkeit kämpft. Dabei auch die Gefahr erkennt, in die er sich begibt, nicht nur für sich, sondern auch die Menschen und die Frau, die er liebt. Er ist ein Kämpfer und gerade seine Zielstrebigkeit haben mich beeindruckt. Man nimmt ihm jede seine Handlungen ab und er ist für mich absolut glaubwürdig. Spannend ist der Charakter von Otto Piontek. Als Kind habe ich ihn gemocht, lieb und freundlich, aber auch da war schon zu erkennen, dass er mehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht war, als auf den Schutz seiner Ersatzfamilie. Er hat sich wirklich zu einem Blender und Opportunisten entwickelt, der weder Gnade noch Mitgefühl kennt.
Catherine Lockhart ist empathisch und pragmatisch, passend für ihren Beruf und Liam Taggart ist wirklich ein waschechter Schnüffler. Unnachgiebig, stur und so lang an einer Sache dran, bis er den gewünschten Erfolg hat.
Ich mag die Charaktere von Balson, sie haben das gewisse Etwas und ich denke, dass beide Charaktere sich noch weiterentwickeln in den nächsten Band. “Hannah und ihre Brüder” ist schließlich nur der Auftakt zu einer Reihe, von der ich gerne noch mehr lesen möchte.

Fazit

“Hannah und ihre Brüder” von Ronald H. Balson ist ein fesselndes Buch über die Besatzung Polens und Vernichtung der polnischen Juden anhand der Lebensgeschichte von Ben Solomon und Otto Piontek. Ein Buch, das mich  emotional Achterbahn fahren ließ und auch nach dem Lesen noch lange nicht so lässt.

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Bibliografische Angaben
Autor: Balson, Ronald H.  Übersetzer: Weber-Jarić, Gabriele Titel: Hannah und ihre Brüder Originaltitel: Once we were brothers  Reihe: Taggart-Lockhart  Band:Seiten: 498ISBN9783746635095 Preis: 12,99 € (Taschenbuch); 9,99 (E-Book) Erschienen: 17.05.2019 bei Aufbau

 

Für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars bedanke ich mich herzlichst bei

und

Eure

Kerstin

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2 Antworten auf „[Buchbesprechung] Ronald H. Balson – Hannah und ihre Brüder“

  1. Auch, das hier ein Buch welches mich total anspricht. Das Cover finde ich auch super gelungen, was bei mir schon selten der Fall ist. Ich setze es direkt mal auf meine Wunschliste

    1. Hallo Mary,

      Nicht nur das Cover ist gelungen, sondern auch das Buch.

      Du bist also kein Cover-Käufer?

      Liebe Grüße

      Kerstin

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