[Buchbesprechung] Michel Bussi – Fremde Tochter

Hallo ihr Lieben,

ich liebe Bücher, die in meinen Nachbarland Frankreich spielen. “Fremde Tochter” von Michel Bussi spielt auf Korsika und die Story hat mich in den Bann gezogen. Wie mir das Buch insgesamt gefallen hat und was ich zu kritisieren habe, erfahrt ihr in der Buchbesprechung.


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Fremde Tochter von Michel Bussi

Klappentext von der Verlagsseite:

„Die Geschichte eines tragischen Sommers. Absolut empfehlenswert.“ marie claire

Sommer 1989: Die 15-jährige Clothilde verbringt die Ferien mit ihrer Familie auf Korsika. Dann geschieht das Unfassbare. Ihr Vater verliert auf der Küstenstraße die Kontrolle über den Wage, und sie stürzen in die Tiefe – nur Clotilde überlebt.
27 Jahre später kehrt Clotilde mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Korsika zurück. Und plötzlich erhält sie Briefe, die nur eine Person geschrieben haben kann: ihre Mutter.

Spannend und hochemotional: ein schrecklicher Unfall und eine Frau auf der schmerzhaften Suche nach der Wahrheit.

Autoreninfo von der Verlagsseite:

Michel Bussi, geboren 1965, Politologe und Geograph, lehrt an der Universität in Rouen. Er ist einer der drei erfolgreichsten Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Bei Rütten & Loening und Aufbau Taschenbuch liegen seine Romane „Das Mädchen mit den blauen Augen“, „Die Frau mit dem roten Schal“, „Beim Leben meiner Tochter“ und „Das verlorene Kind“ vor. Mehr zum Autor unter www.michel-bussi.fr

Erster Satz:

“Clotilde? Clo”

Meinung:

“Fremde Tochter” von Michel Bussi ist mein erstes Buch von ihm und wenn es mich auch nicht restlos überzeugen konnte wird es auch nicht das letzte gewesen sein, denn jeder Autor bekommt von mir eine zweite Chance. Bevor ich euch erzähle woran es in meinen Augen hakt, beginne ich mit den positiven Dingen, die für mich eindeutig überwiegen.

Da ist zum einen das Cover. Es ist ein echter Hingucker mit der wilden zerklüfften Landschaft Korsika, der auf dem Weg spazieren gehenden Frau und den bewölkten Himmel. Das Cover fängt schon die Handlung des Buches ein, denn nichts ist klar, die Vergangenheit ist bewölkt und Clothilde unsere Protagonistin versucht Klarheit in ihre Vergangenheit zu bekommen.

Womit wir direkt bei den Charakteren der Handlung sind. Clothilde kehrt nach siebenundzwanzig Jahren mit ihrem Mann und ihrer Tochter auf die Insel zu einem Sommerurlaub zurück. Ihr Großvater lebt noch dort und der einst mächtigste Mann der Insel, ist lange nicht mehr so mächtig, wie er mal war. Clothilde merkt dies am Verhalten der Bevölkerung und auch, dass sich bestimmte Teile jener mehr rausnehmen als früher.

Clothilde, die mir von Beginn an sehr sympathisch war, sticht durch einen gefundenen Brief, der sie an die Vergangenheit erinnert, in ein Wespennest. Restlos überzeugt, dass ihre Mutter noch lebt, beginnt zu recherchieren und gerät damit immer mehr in Gefahr. Ihr Mann ist ihr dabei keine große Hilfe und tja, er war mir von Beginn an unsympathisch, er hält die Suche für Hirngespinste und auch die Merkwürdigkeiten, die immer wieder passieren, ignoriert er geflissentlich. Die gemeinsame Tochter steht mehr auf der Seite des Vaters als auf ihre und so steht Clothilde mit ihren Mutmaßungen allein da. Aber davon lässt sie sich nicht abschrecken.
Michel Bussi hat Clothilde sehr schön gezeichnet, gerade ihre ruhige Art, ihr Tatendrang und ihre Empfindungen hat er schön wieder gegeben. Hingegen bleiben in meinen Augen, die anderen Protagonisten und Antagonisten blass, ihnen fehlt es an Schärfe und Tiefe. Auch waren sie mir unsympathisch, was ja für Antagonisten nicht schlecht ist, aber dann sollte auch etwas dahinterstehen.

Betrachte ich den Plot mal losgelöst von den Charakteren und meinen noch folgenden Kritikpunkten ist er gelungen. Bussi erzählt die Geschichte von Clothilde auf zwei Zeitebenen und switcht zwischen Gegenwart und Vergangenheit immer hin und her. Gefällt mir sehr gut und auch, dass die Vergangenheit in Form von Tagebucheinträgen Clothildes erzählt wird. Es ist ein anderes Stilmittel und lockert das Geschehen immer wieder auf. Auch schreibt er locker und man könnte das Buch gut durchlesen, wenn da nicht ein Haken wäre.

Bussi beschreibt sehr deutlich die Landschaft Korsikas und so hatte ich immer wieder das Gefühl da  zu sein, und dennoch hat mir etwas gefehlt: Spannung. Bis auf Seite 140 ging es noch, aber da flachte die Story ab. Nicht nur die ellenlangen Überlegungen von Clothilde als Teenagerin, sondern auch ihre stetigen Mutmaßungen, ob es damals ein Unfall oder Sabotage war, wurden auf den folgenden Seiten bis ins unendliche durchgekaut. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass Bussi nicht weiter wusste und die Seiten füllen wollte. Dieser Teil mag für manche sicher interessant sein, und war auch vom Schreibstil gut geschrieben und auch eindrücklich, aber ich musste mich durch diesen Teil durchkämpfen. Wenn ich nicht unbedingt wissen hätte wollen, wie die Story um Clothilde und ihrer Mutter ausgegangen wäre, hätte ich das Buch mit Sicherheit abgebrochen. Aber meine Neugier hatte dann doch gesiegt.

So bin ich mit einem Ende überrascht worden, dass ich nach dem langatmigen Mittelteil nicht mehr für möglich gehalten habe. Denn es wurde wieder spannend und er hat auch alles aufgelöst, wobei ich immer noch nicht weiß, was ich von der Auflösung halten soll. Schlüssig und vor allen Dingen auch nicht nachvollziehbar ist sie für mich nicht, denn ich frage mich heute noch, was das für ein Ende ist.

Fazit

“Fremde Tochter” ist ein Familiendrama, was mehr Potenzial hatte, als der Autor ausgeschöpft hat. Etwas kürzer und mit einem wenig eigenartigeren Ende, wäre es ein Knüller gewesen.

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Bibliografische Angaben
Autor: Bussi, Michel Übersetzer: Hagedorn, Eliane; Reitz, Barbara Titel: Fremde Tochter Originaltitel: Les Temps est Assassin Reihe:Seiten: 528 ISBN: 978-3-352-00901-3 Preis: 14,90 € (Paperback] Erschienen: 15.09.2017 bei Aufbau

Bewertung:

 

Für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars bedanke ich mich herzlichst bei

 

Eure

Kerstin

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2 Antworten auf „[Buchbesprechung] Michel Bussi – Fremde Tochter“

  1. Hallo Süße,
    Also ich liebe die Bücher von Bussi. Hier ist nichts wie es scheint, es ist spannend und doch in ruhigen Tönen geschrieben. Das Buch steht schon auf meiner WL.
    Vielen Dank für deine tolle Rezension!
    Liebe Grüße aus Wien
    Conny

    1. Hallo Conny,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass dir die Buchbesprechung gefallen hat. Sie fiel mir ziemlich schwer, da ich zwar meine negativen Punkte benennen wollte, ohne aber so ins Detail zu gehen um nicht zu viel zu verraten. Bei mir stehen auch noch ein paar Bussis im Regal und lesen werde ich sie sicher nocht. Denn so schlecht finde ich seine Art zu schreiben auch nicht.
      Liebe Grüße aus dem verschneiten Rheinland-Pfalz
      Kerstin

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