[Meine Sicht] Das eigene Leseverhalten überdenken Teil 1

Hallo ihr Lieben,

die meisten kennen es, Frau oder Mann steht vor dem hauseigenen Regal und überlegt, was sie/er als nächstes lesen könnte. Vielleicht mal eine Novelle, ein Roman oder doch den neuen Bestseller, den man sich letztens gekauft hat? Oder vielleicht doch eher ein Buch aus der Backlist? Schließlich hat man sie ja mal gekauft um sie zeitnah zu lesen.

Mit dem Zeitnah ist es immer so eine Sache. Denn nicht immer funktioniert dies. Entweder fehlt die Zeit und manchmal auch die Lust auf das Buch. Denn ein Buch unter Zwang lesen, weil es gerade da ist, ist nicht meins und sicher nicht auch die Lust vieler Leser und Leserinnen. Daher liegen in meiner Privatbibliothek auch so einige Schätze der vergangenen Jahre. Wieso eigentlich?

Viele Bücher auf dem Markt

Ein Grund dafür mögen die vielen Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt sein. Allein 2016 wurden 72.820 Bücher  zum ersten Mal veröffentlicht. Mehr als 13.891 allein im Bereich Belletristik, deutsche Literatur mit 10.297 und Kinder- und Jugendbücher mit 8.961 Novitäten. Bei diesen Größen kann es einem schwindelig werden und man erkennt sehr schnell, dass man alle Bücher, die allein in einem Jahr erscheinen nicht lesen kann, nicht in einem Jahr und auch nicht im gesamten Leseleben.
Was also tun? Die Neuerscheinungen ignorieren? Eine Auswahl treffen? Aber wie? Wo die Perlen der Literatur in diesem bunten Potpourri der Novitäten finden?

Was tun, bei Hypes?

Es fällt einem schwer. Ab und an hat man das Gefühl etwas zu verpassen. Sei es durch die gut durchdachten Marketingkampagnen der Verlage, die Blogtouren oder allein die Aufsteller in der Stammbuchhandlung.
Dann sieht man da ein Buch, dass überall besprochen wird und hochgelobt wird. Ein so genanntes gehyptes Buch. Plötzlich ist es überall in der Filterblase der Bloggerwelt en Vogue. Soll man dann auch auf den Zug aufspringen oder den Hype an sich vorbeigehen lassen?

Ich habe für mich beschlossen, dass ich nicht mehr jedes gehyptes Buch lesen muss. Grund dafür ist “Gone Girl” von Gillian Flynn. Gehypt ohne Ende und neugierig wie ich war, habe ich es natürlich gekauft.  Leider war es für mich persönlich eine Enttäuschung. Seit dem bin ich vorsichtiger. Vor allen Dingen dann , wenn es nicht mein Genre ist, dann verzichte ich gerne drauf. Bei meinem Genre kann ich immer noch schlecht nein sagen, aber probiere es immer öfter. Siehe der Fall “Gone Girl”.

Aber was ist nun mit den vielen Neuerscheinungen? Muss ich wirklich den neuen Fitzek lesen, auch wenn mir die vorherigen schon nicht gefallen haben? Nur weil es ein Fitzek ist?
Auch da habe ich eine Entscheidung getroffen: Nein, muss ich nicht mehr und ich werde es auch nicht mehr tun. So habe ich für mich beschlossen, dass es mir einfach reicht mit dem ewig gleichen Stil, den ewig gleichen Wendungen und den immer unglaubwürdigeren Schluss. Irgendwann tritt eine Sättigung ein, die auch nach Jahren nicht weniger wird.
Dennoch bin ich nicht gefreit vor Neuerscheinungen und Lieblingsautoren, aber auch da habe ich eine Lösung gefunden.

Meine Lösung

In den Lesesessel kommen nur noch Bücher von Autoren, die mir zu sagen, und dies gilt auch für Neuerscheinungen. Auf alt bewährtes vertrauen, aber dabei den Blick für das Neue nicht verlieren, das ist ab nun mein Motto.
Gerade von den Lieblingsautoren stehen noch viele, sehr viele in der hauseigenen Privatbibliothek. Womit ich wieder zu der Backlist komme.
Ältere Bücher sind per se nicht schlechter oder besser wie die Novitäten. Sie führen ebenso zu angenehme Lesestunden wie die aktuellen. Warum lesen wir so selten ältere Bücher? Wieso muss es immer das Neue sein?

Ein Hoch auf die Backlist

Diese Fragen stelle ich mir immer wieder. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich sehr selten eine Neuerscheinung direkt lese, sondern es meistens ein paar Wochen bis Monate vergehen bis ich die lese. Zugegeben manchmal auch Jahre. Oft liegt es an der Übersättigung am Thema, am Genre oder auch am Autor. Dann bleiben sie auf den SuB und warten auf ein glückliches Lesemoment.

So auch Allendes “Paula”. Sicher ein tolles Buch, aber gekauft in meiner Allende Phase. Dennoch steht es immer noch bei mir im Regal und da wird es auch bleiben. Denn fort geben werde ich es nicht. Wie so viele andere auch. Der Grund dafür habe ich im März gesehen.

Mein  zuletzt gelesenes Buch über Marie Curie habe ich vor siebzehn Jahren in einer kleinen Buchhandlung  gekauft und nun endlich gelesen. Es  hat mich positiv überrascht und hat mir die großartige Frau näher gebracht, als ich erwartet hatte. Eindeutig ein Grund für eine gut gefüllte Backlist, denn das Buch wird heute auch nicht mehr aufgelegt. Solche Schätzchen tummeln sich noch bei mir und ich sollte mich wirklich öfters vor meine Regale stellen.
Ein Hoch auf die Backlist. Denn es gibt so viele Geschichten, die wir dort entdecken können, die den neuen Büchern im nichts nachstehen.

Daher werde ich nun noch öfter zu Büchern greifen, die schon vor Jahren erschienen sind und ihnen ihren Platz auf dem Blog geben. Dies bedeutet keineswegs, dass ich alle Neuerscheinungen ignorieren werde, auch die haben ihren Platz hier, aber in Zukunft wird es eine stärkere Mischung aus alt und neu bei mir geben.

 

Wie habt ihr es gelöst?
Lest ihr ausschließlich Neuerscheinungen oder interessieren euch auch Bücher aus den vergangenen Jahren?
Oder sagt ihr, geh’ mir weg mit der Backlist, ich lese nur stark beworbene Bücher?

 

Auf eure Meinung bin ich gespannt.

Eure

Kerstin

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