[Buchbesprechung] Carmen Stephan – Mal Aria

u1_978-3-596-19525-1_malariaKlappentext von der Verlagsseite:

»Dieses Buch nimmt es mit dem ganzen Leben auf. Ein Wagnis für die Autorin, ein Glück für die Leser. Sie erfahren etwas Unvergessliches.« Roger Willemsen

Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand – in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Kein Arzt in Brasilien weiß ihr zu helfen. Nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat … Immer tiefer verbindet er sich mit seinem Opfer, immer tiefer zieht er den Leser in diese Geschichte, die zugleich eine Parabel über die Unkontrollierbarkeit des Lebens ist.

Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2012

Autoreninfo von der Verlagsseite:

Carmen Stephan, geboren 1974, wohnt in München. Sie lebte als Autorin für mehrere Jahre in Rio de Janeiro. 2005 erschien der Geschichtenband ›Brasília Stories‹. ›Mal Aria‹ ist ihr erster Roman. Sie wurde dafür mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung 2012 und dem Debütpreis des Buddenbrookhauses 2013 ausgezeichnet.

Erster Satz:

Stellt euch die einfachen Fragen.

Aufbau:

“Mal Aria” von Carmen Stephan umfasst 13 Kapitel, deren Überschriften mit dem jeweiligen Tag gekennzeichnet ist, einem Motto, einem Vorwort und einen Vorbericht. Insgesamt hat “Mal Aria” 208 Seiten.

Inhalt:

Carmen, die seit einem Jahr in Brasilien als Architektin arbeitet, macht mit ihren Freund Carl eine Reise in den Dschungel nach Manaus. Irgendwo auf der Reise zwischen Manaus und der Küste wird sie von einem Moskito gestochen und erkrankt schwer. Keiner der Ärzte erkennt die Krankheit und nur eine weiß Bescheid, jene Anopheles-Mücke, die Carmen gestochen hat. Aus Solidarität bleibt die Mücke bei Carmen und immer mehr bekommt sie Zweifel und versucht die Menschen auf Carmens Krankheit aufmerksam zu machen, denn es ist Malaria.

Meinung:

Ein Buch über einen Moskito? Eine gewisse Skepsis schwang mit als ich mir das Buch kaufte, aber bereits die ersten Seiten als der Moskito beginnt zu erzählen haben mich gepackt. Denn Carmen Stephan gelingt es teilweise amüsant, teilweise tiefgründig, aber immer packend geschrieben. Gerade die kurzen Sätze und die oft sehr pointierte Darstellung der Geschichte der Malaria, macht das Buch zu einem Lesegenuss.

Carmen Stephan spielte auch mit meinen Emotionen, sie brachte mich zum Lachen, zum Nachdenken und auch zum Weinen. So viel Emotionen auf gerade mal 208 Seiten. Aber nun mal von Beginn an. Eigentlich sollte man diesen kleinen Moskito nicht mögen, der Carmen gestochen hat und man würde ihn am liebsten schlagen, aber dadurch, dass der Moskito ein Gewissen hat, geschieht genau das Gegenteil. Ich habe mitgefiebert, ob der Moskito es schaffen wird, den betriebsblinden Ärzten oder den Freunden einen Hinweis zu geben.

Und immer wieder streut Carmen Stephan Sätze ein, die man am liebsten anstreichen würde und teilweise geht dies seitenweise so. So viel Wissen, so gut pointiert, allein über die Ärzte, die die Krankheit als Dengue-Fieber erkennen und nicht über ihre einmal gefasste Meinung nachdenken können.

“Menschen, die nicht denken, sind überflüssig; sie sind gefährlich.”

In jedem der dreizehn Kapitel erzählt die Anopheles-Mücke ein Stückchen mehr über die Entdeckung der Malaria. Darüber das Malaria Kriege und Kreuzzüge entschieden hat und mehr Todesopfer als die schlimmen Krankheiten Cholera, Pest und Pocken forderte. Den Wettlauf der Wissenschaftler bei der Entdeckung der Krankheit, der lange Weg bis festgestellt wurde, dass nicht “schlechte Luft” alias “Mal Aria” der Grund für die Übertragung ist, sondern die Anopheles-Mücke. Auch berichtet sie über die afrikanischen Strategien gegen die Krankheit und das Wissen dort

“Es ist solange Malaria, bis alles andere ausgeschlossen ist.”

Traurig, dass Carmen sich nicht in Afrika angesteckt hat, sondern in Brasilien. Im Jahr 2004, in dem die Geschichte spielt, grassierte dort das Dengue-Fieber und nur an diese Krankheit dachten die Ärzte und eine unbehandelte Malaria führt unweigerlich nach vierzehn Tagen zum Tod. Die Behandlung zieht sich über Tage dahin und keiner erkennt die wirkliche Krankheit.

Gegen Ende hin wurde für mich die Geschichte immer schmerzvoller und trauriger. Ich fing an mich mit dem Sterben und den Tod auseinander zu setzen und auch der Moskito stellt sich die Frage, warum der Mensch den Tod verdrängt und davor Angst hat.

Carmen Stephan erzählt nicht nur die Geschichte der Malaria, sondern zeigt uns auch immer wieder auf, dass wir Menschen nicht unschuldig an der Krankheit sind. Durch das Abholzen der Regenwälder und die dadurch entstehenden Brachflächen, entstehen auch Tümpel und dort legen die Moskitos ihre Eier ab. Aber dies ist nicht die alleinige Ursache, Malaria ist immer noch eine Krankheit der armen Bevölkerungsschichten, denn die Reichen waren durch die entwickelten Vorbeuge-Medikamente etwas besser geschützt. Aber auch die Moskitos werden immer resistenter gegen die Medikamente.

Gerade die Mischung aus Fiktion und Realität und Frau Stephans Fähigkeit den Krankheitsverlauf von Carmen so eindringlich zu erzählen hat mich so an das Buch gefesselt, dass ich es innerhalb von zwei Tagen ausgelesen hatte. Und es klingt immer noch nach.

Fazit

“Mal Aria” ist ein packender, erschreckender und aufrüttelnder Roman über eine Krankheit. Mit ihrer einfachen, aber stets packenden Schreibstil hat Carmen Stephan ein großartigen Debütroman geschaffen, der mich durch ein Tal der Emotionen führte. Ein packendes Buch.

Buchinfo:
Carmen Stephan – Mal Aria
Taschenbuch 208 Seiten
Fischer 2013
ISBN-13: 978-3-596-19525-1
Preis: 9,99 €

Bewertung:

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