Im Gespräch mit Lea Korte

Wie bereits angekündigt beim Bloggeburtstag kommt hier eine weitere Idee von mir. Das erste “Im Gespräch mit” habe ich mit der Autorin von “Die Maurin” und “Die Nonne mit dem Schwert” Lea Korte geführt.

Kurz gefasst
Name: Lea Korte
Land: Spanien / Deutschland
Tätigkeit: Schriftstellerin
Werke: Die Nonne mit dem Schwert (2007), Droemer Knaur
Die Maurin (2010), Droemer Knaur
Schenke uns eine Lebensweisheit:
Nicht weil die Dinge uns unerreichbar erscheinen, wagen wir nicht – weil wir nicht wagen, erscheinen sie uns unerreichbar. (Seneca)
Was ist für dich eine Versuchung: Arbeit, Zigaretten, das Meer
Nenne uns drei deiner Lieblingsbücher: Buddenbrooks (Thomas Mann), Das Lächeln der Fortuna (Gablé), Früh am Morgen beginnt die Nacht (Wally Lamb)
Nenne uns ein Lieblingslied: Comptine d’un autre été (Yann Tiersen); Amsterdam (Jaques Brel)
Welche Person ist deine Lieblingsfigur in der Geschichte:
Ich habe vor allem immer zu den historischen Figuren eine große Nähe, die gerade in meinem Roman eine Rolle spielen, aber trotzdem sind das nicht unbedingt gleich Lieblingsfiguren, sondern Menschen, mit denen ich mich auseinandersetze. Ich denke mal, ich habe keine Lieblingsfigur in der Geschichte … Wenn überhaupt könnte ich da ein paar Maler aufzählen, die mich auch als Mensch faszinieren, van Gogh zum Beispiel … aber der ist natürlich keine historische Figur im engeren Sinne.

Wie kamst Du zum Schreiben?
Dass ich „später“ einmal schreiben wollte, habe ich schon sehr früh beschlossen, mit 12 oder 13, und das mit der gleichen Naivität wie andere in dem Alter beschließen, Tierarzt, Astronaut oder Lokomotivführer zu werden. Ich war schon damals eine absolute Leseratte und dachte, es wäre wunderbar, nie etwas anderes tun zu müssen, als immer nur zu lesen und zu schreiben – und das finde ich noch immer.

Weshalb hast Du dich dazu entschlossen, historische Romane zu schreiben?
Geschrieben hatte ich auch vorher schon: „Die Nonne mit dem Schwert“ ist mein fünfter, „Die Maurin“ mein siebter Roman. Die Bücher davor und dazwischen sind unter anderen Pseudonymen erschienen; es waren Frauenbücher, ein Entwicklungsroman und ein Sachbuch. Aber irgendwann waren mir die „einfachen“ Romane nicht mehr „genug“. Ich recherchiere gern, habe dies auch viel in der Zeit getan, als ich noch für Zeitschriften geschrieben (und fotografiert) habe – und da mich Geschichte sehr interessiert, war es nur konsequent zu Ende gedacht, dass ich irgendwann an meinem ersten historischen Roman saß. Und ich muss gestehen: Sie sind wirklich meine große Liebe! Ich finde es einfach spannend, wahres und fiktives Geschehen so zu verbinden, dass daraus eine neue, spannende Geschichte entsteht.

Von Isabel Allende ist bekannt, dass sie einen neuen Roman immer am 8. Januar beginnt. Hast Du auch so ein Stichdatum um einen neuen Roman zu beginnen oder wie fängst Du an?
Ich bin eigentlich dauernd etwas am Kreieren und Planen, selbst wenn ich schon an einem Romanprojekt arbeite. In meinem Kopf sind derzeit die nächsten fünf Bücher auch schon ziemlich durchgeplant.

Wie sieht dein Tagesablauf aus, wenn Du an einem neuen Roman arbeitest?
Sobald die Kinder in der Schule sind und ich meine Runde Fahrrad gen Hafen und zurück hinter mich gebracht habe, setze ich mich an den PC und lege los. Da in Spanien alle Schulen Ganztagsschulen sind, kann ich auch nachmittags weiterarbeiten, und wenn die Kinder nach der Schule Sport oder Musik machen oder mit meinem Mann unterwegs sind, stückele ich auch das noch an meinen Arbeitstag an – und zwischendurch lese ich in jeder freien Minute Passendes zu meinem aktuellen Buchprojekt.

Du lebst seit einigen Jahren in Spanien. Wie kam es dazu und was gefällt Dir besonders an deiner neuen Heimat? Hast Du vielleicht einen Geheimtipp für uns?
Mit zwölf Jahren war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal an der Costa Brava. Das Meer, der weite Himmel, dieses ganz besondere Licht, die Sonne, die Menschen, die Sprache – alles dort hat mich so sehr begeistert, dass ich gleich wusste: Hier gehörst du hin! Ab da war mein ganzes Tun und Streben darauf ausgerichtet, „irgendwann“ am Mittelmeer zu leben – und dieses „irgendwann“ sollte nicht erst im Rentenalter sein. Nach meinem Studium habe ich den „Sprung in kalte Wasser“ gewagt, der dann gar nicht mal kalt wurde. Da ich „in weiser Voraussicht“ schon mit siebzehn angefangen habe, Spanisch zu lernen, hatte ich dann auch keine Probleme, mich dort einzugliedern und lebe inzwischen bald schon zwanzig Jahre dort.
Was mir besonders an Spanien gefällt, ist – außer dem Klima im Allgemeinen und dem Meer im Besonderen – die größere Entspanntheit der Menschen. Und Geheimtipp, mmh, wenn ich den gäbe, wäre doch kein Geheimtipp mehr, oder?

Fällt es Dir leichter einen historischen Roman mit Spanien als Handlungsort zu schreiben, als zum Beispiel mit einem französischen oder deutschen Handlungsort?
Nein, das spielt für mich keine Rolle, zumal ich ja auch sowohl zu Deutschland als auch zu Frankreich einen starken Bezug habe.

2007 erschien dein erster historischer Roman “Die Nonne mit dem Schwert” über Catalina de Erauso. Wie bist Du auf sie und ihre Geschichte aufmerksam geworden?
Ich fand es sehr reizvoll, einen Roman über eine Frau zu schreiben, die wirklich gelebt hat und habe mich in meinem (spanischen) Bekanntenkreis nach deren weiblichen Lieblingsfiguren in der Geschichte der Iberischen Halbinsel umgehört. Einer von ihnen erzählte mir von Catalina de Erauso. Catalina wurde 1592 in San Sebastian geboren und als junges Mädchen von ihren Eltern ins Kloster gesteckt. Die Welt dort war ihr zu eng, sie floh, aber um überleben zu können, musste sie sich als Mann verkleiden. Ihr aufregendes Leben hat sie von Spanien bis nach Südamerika geführt – ständig auf der Flucht vor der Inquisition. Ich fand diese Geschichte so reizvoll, dass ich mich gleich in die Recherchen gestürzt habe.

Für einen historischen Roman muss viel recherchiert werden in Bezug auf die Stimmigkeit der historischen Fakten. Wie viel Zeit nimmt für ein neues Buch die Recherche ein und dann das Schreiben?
Die Recherche für mein letztes Buch, „Die Maurin“, war sogar sehr aufwändig, da ich neben der fiktiven Geschichte Zahras zugleich auch die der letzten 15 Jahre der Reconquista erzählen wollte. Zuvor habe ich fast ein Jahr lang nur recherchiert, dann beim Schreiben weiter und zudem hatte ich zwei große Helfer: einen Arabistik-Professor von einer Universität in Cadiz und seine muslimische Frau, die mir ebenfalls bei vielen Fragen geholfen hat. Ohne die beiden wäre ich bisweilen sicher verzweifelt, denn die Spanier haben sich über Jahrhunderte redlich Mühe gegeben, alles Maurische aus dem Gedächtnis und der Landschaft ihres Landes verschwinden zu lassen. Dank dieses Freundes kam ich aber auch noch an Quellen und konnte mich über Zusammenhänge informieren, an die man normalerweise nicht so leicht kommt.
Das Schreiben selbst hat dann noch einmal ein gut anderthalb Jahre in Anspruch genommen, allerdings habe ich „nebenbei“ auch noch andere „Sachen“ geschrieben.

Mit “Die Maurin” erschien 2010 dein zweiter historischer Roman über die Reconquista und das Leben der Mauren in Andalusien anhand Zahras maurischer Familie. Zahra, die Hauptperson, erlebt ja einiges im Laufe der Handlung. Wie viel von Dir steckt in Zahra?
Mein Mann ist Franzose und weigert sich als solcher standhaft, Deutsch zu lernen, aber er behauptet, er wüsste auch so, was in meinen Büchern steht, weil er mich kennt – und ich denke mal, damit hat er noch nicht einmal Unrecht. Gerade in meinen beiden letzten Romanen steckt sehr viel von mir und natürlich vor allem in der jeweiligen Hauptperson, so verschieden die beiden auch auf den ersten Blick erscheinen mögen.
Zahra habe ich deswegen als Hauptperson gewählt, weil sie zwischen den Kulturen lebt, (womit sie ja auch etwas mit mir gemein hat), und zwar zwischen der maurisch-muslimischen und der kastilisch-christlichen Kultur. Alle Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden großen Mächten spielen sich auch in ihr und um sie ab.

Zahra und ihre Familie ist deinen Lesern ans Herz gewachsen und viele wünschen sich eine Fortsetzung. Wird es eine Fortsetzung mit Zahra geben oder vielleicht eine mit ihren Kindern?
Ja, es wird „Die Maurin II“ geben – allerdings wird der Titel sicher ein anderer sein. Und ich bin schon fleißig am Schreiben! Verraten darf ich bisher natürlich noch nichts, aber auf meiner Webseite stelle ich immer wieder neue „romannahe“ Sachthemen und Fotos ein, so dass man sich schon denken kann, dass sowohl Zahra als auch ihre Kinder im Mittelpunkt stehen werden.

Bei welchen Ereignissen in der Geschichte würde es Dir schwerfallen darüber zu schreiben?
Ich glaube, bei gar keinem … denn man kann sich ja immer seinen Standpunkt dazu aussuchen. Mich würde genauso einmal die alte Geschichte reizen wie die jüngere.

Welche historische Themen würden dich besonders reizen in einem Roman darzustellen?
Mit meinem derzeitigen Thema – den Mauren in Spanien – bin ich im Moment sehr zufrieden, aber ich habe auch schon den nächsten historischen Roman geplant. Generell reizen mich alle Themen, in denen Menschen für ihre Freiheit kämpfen – oder umgekehrt Verfolgung entgehen müssen. Davon ist die Geschichte ja leider sehr, sehr voll.

Bist Du in deiner Themenwahl für deinen neuen Roman völlig frei oder hat der Verlag ein Mitspracherecht. Wie muss man sich so etwas vorstellen?
Nein, da bin ich frei. Ich mache Vorschläge – und der Verlag sagt dann, ob er an dem Thema interessiert ist oder nicht.

Beide Cover deiner Bücher sind besonders schön gestaltet. Inwieweit hat in diesem Punkt der Autor ein Mitspracherecht?
Der Autor hat überhaupt kein Mitspracherecht; das ist reine Verlagssache.

Deine Bücher werden sowohl von Bloggern als auch von Literaturredakteuren rezensiert. Wie wichtig sind dir Rezensionen?
Die Rezensionen sind die Antwort auf das, was ich in jahrelanger Arbeit zustande gebracht habe – und von daher sind sie mir sehr wichtig. Bei der Maurin habe ich bisher ja nur gute bis sehr gute Rezensionen bekommen, was mich dann auch dazu ermutigt hat, jetzt den zweiten Teil zu schreiben.

Wirst Du in diesem Jahr noch Lesungen in Deutschland geben?
Das war zwar geplant, wird aber leider nicht umsetzbar sein, weil ich es zeitlich nicht hinbekommen kann. Deutschland liegt für mich eben „nicht um die Ecke“, und da ich Familie habe, ist da auch immer einiges an Organisation nötig.

Wenn Du mal nicht schreibst. Was machst Du dann?
Lesen! Und zwar sowohl Recherchebücher als auch Romane. Ansonsten unternehme ich etwas mit meinem Mann und den Kindern, wobei da derzeit auch viel Lernen für Arbeiten angesagt ist, gehe mit unserem Hund spazieren, spiele Klavier und – ganz wichtig – gehe natürlich oft ans Meer!

Zum Abschluss noch eine letzte Frage. Du hast beim Steckbrief unter Lieblingsfigur in der Geschichte van Gogh angegeben. Was fasziniert dich an dieser Person?
Die Besessenheit, mit der er – trotz der Unsicherheit der eigenen Begabung gegenüber – in seinen Werken aufgegangen ist, seine hohe Leidensfähigkeit und die Tragik seines Schicksals.

Vielen Dank für das Interview, liebe Lea.

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Fotos und Buch-Trailer von Lea Korte.
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