[Buchbesprechung] Gillian Flynn – Gone Girl

u1_978-3-596-18878-9_gonegirlKlappentext von der Verlagsseite:

›GONE GIRL – DAS PERFEKTE OPFER‹ – Der Megaseller aus den USA –
Nun auch im Taschenbuch!

„Was denkst du gerade, Amy?” Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?
Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichten, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. Dann erhält er sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy?
Selten wurde so raffiniert, abgründig und brillant manipuliert wie in diesem Psychogramm einer Ehe – ein teuflisch gutes Lesevergnügen.

 

Autoreninfo von der Verlagsseite:

Gillian Flynn wuchs in Kansas City, Missouri, auf. Nach College und Universitäts-Studium in Kansas und Chicago zog es sie nach Kalifornien, anschließend nach New York. Sie war zehn Jahre lang die leitende TV-Kritikerin von ›Entertainment Weekly‹. Im Jahre 2006 erschien ihr erster Roman ›Cry Baby‹, 2009 folgte der zweite Roman›Finstere Orte‹. Im Juli 2012 erschien schließlich ihr dritter Roman ›Gone Girl‹ und löste ein riesiges Medienspektakel aus. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste und wurde mehr als 10 Millionen mal weltweit verkauft. David Fincher hat den Roman prominent mit Ben Affleck und Rosamund Pike in den Hauptrollen verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Chicago.

Erster Satz:

Wenn ich an meine Frau denke, fällt mir immer ihr Kopf ein.

Aufbau:

Das 592 Seiten starke Buch “Gone Girl. Das perfekte Opfer” von Gillian Flynn ist in drei Teile “Junge verliert Mädchen”, “Junge trifft Mädchen” und “Junge bekommt Mädchen zurück (oder andersrum)” aufgeteilt. Jeder der drei Teile ist dann noch einmal in Kapitel aus der Sicht von Nick Dunne oder Amy Elliot Dunne eingeteilt. Der Handlung vorangestellt ist die Widmung und das Motto, abschließend gibt es noch die Danksagung der Autorin.

Meinung:

Ich habe das Buch nun in der Nacht beendet und ich muss sagen, dass mich selten ein Buch so wütend zurück gelassen hat. Aber nun erst einmal von Beginn an. Die Aufteilung mit den drei Teilen fand ich sehr gelungen und auch, dass von vorneherein nicht klar war, was wirklich passiert ist. Wer mein Gezwitscher unter dem #GoneGirl mitbekommen hat, der hat auch da bereits gemerkt, wie mir das Buch auf den Zeiger gegangen ist. Dabei meine ich nicht den Schreibstil, denn der hat mir doch der Kraftausdrücke noch gut gefallen, aber die Charaktere und damit meine ich allesamt und nicht nur Nick und Amy waren mir unsympathisch von Beginn an.
Nick ist für mich zunächst nur jemand, der immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Nur nicht anecken, nur nicht so werden wie sein Vater, sondern immer nur gut und lieb. Ah, ging er mir auf den Keks. Denn in Wahrheit ist er so nicht und als ich endlich Hoffnung hatte, dass er endlich erwachsen wird und sich auch mal wehrt, knickt er wieder ein. Himmel hat er mich genervt.
Aber ein Charakter, hätte ich während des ganzen Romans schütteln wollen, und gelinde gesagt, einmal war ich sogar richtig froh, dass ihr nicht alles gelang. Amy Elliott Dunne ist ein furchtbarer Charakter, so unsympathisch und falsch, manipulativ und arrogant ist mir selten untergekommen, wieso schreibe ich eigentlich selten, besser wäre noch nie.
Am bescheuersten fand ich ihre Eltern. In diesem Punkt muss  ich Nick recht geben,  sie haben dieses Monster erschaffen und sehen es nicht. Ebenso daneben fand ich die Cops und auch Desi. Es ist wahrlich eine Kunst es hinzu bekommen, dass man als Leser mit keiner einzigen Figur der Handlung Mitleid oder Sympathie empfindet und auch diese Kunst ist auf der anderen Seite wiederum grandios.
Dafür mich allerdings die Liebe zu einem Buch auch an den Charakteren hängt hat mich “Gone Girl” nicht so mitgerissen wie andere. Ich fand die Idee gut, die hinter Amys Motivation stand, aber nicht die Art der Ausführung und auch der blinde Glaube der Eltern, dass Amy einfach wundervoll ist. Auch der Schreibstil hat mich angesprochen mit dem Wechsel der Perspektive, aber gelinde gesagt, Amys Tagebuch war mir zu glatt und irgendwie habe ich immer im Hinterkopf eine Stimme gehabt, die mich warnte: Kann nicht sein, kann nicht sein…
Vielleicht hätte mich das Buch noch etwas versöhnter zurückgelassen, wenn das Ende gestimmt hätte, für mich persönlich gestimmt hätte. Aber das war es einfach nicht, was ich vom Schluss erwartet habe. Denn wie falsch kann ein Bild in der Öffentlichkeit sein und wie ignorant die ermittelnden Beamten. Alles für mich nicht ganz schlüssig und auch etwas eigen.
Eins hat dieses Buch aber bereits geschafft, dass ich mir die Verfilmung mit Sicherheit nicht auch noch antun werde. Egal ob Ben Affleck oder nicht, nein danke!

Fazit

“Gone Girl” von Gillian Flynn hätte mich mit ihrer Idee und den Aufbau überzeugen können, wäre da nicht die komplett unsympathischen Charaktere und das für mich unbefriedigende Ende.

Buchinfo:
Gillian Flynn – Gone Girl. Das perfekte Opfer
Taschenbuch592 Seiten
Fischer 2014
ISBN: 978-3-596-18878-9
Preis: 9,99 €

Bewertung:

Loading Likes...

12 Antworten auf „[Buchbesprechung] Gillian Flynn – Gone Girl“

  1. Huhu,
    hab das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen, aber leider bis jetzt noch nicht angetastet. Bin gespannt, was mich da erwartet und wie es mir gefällt! :)
    Liebe Grüße, Melli

  2. Hmm klingt ja ziemlich heftig, deine Meinung. Ich schleiche auch schon eine Weile um das Buch herum und kann mich bis jetzt nicht dazu entschließen, es lesen zu wollen… Ich habe zwar auch schon gute Meinungen dazu gehört/ gelesen, aber irgendwie springt der Funke, der zum Lesen anregt, einfach nicht über…

    1. Hallo,
      das Buch stand auch schon eine ganze Weile in meinem Regal. Erst durch die Buchauswahl für 2015 habe ich es nun gelesen. Aber es war wirklich nicht so prickelnd, wie ich es erhofft habe. Leider!
      Liebe Grüße
      Kerstin

  3. Ha! Endlich noch jemand, der von “Gone Girl” nicht so begeistert war! :-) Stimmt, mit den Figuren konnte ich auch nicht so recht warm werden. Mich hat der arg konstruierte Aufbau – und dadurch sehr vorhersehbare Schluss – mehr gestört. Da bin ich von Gillian Flynn einfach besseres gewöhnt. Ich bleibe ihr als Leserin aber trotzdem treu, denn ich weiß dank ihrer anderen Thriller ja, dass sie eigentlich eine brillante Spannungsautorin ist.

    1. Hallo my crime time,
      ich war wirklich nicht begeistert. Ich habe hier noch “Cry Baby” von ihr liegen und bin mir bis jetzt sehr unschlüssig, ob ich das noch lesen soll. Hast Du es gelesen? War es besser als “Gone Girl”?
      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. Oh, “Cry Baby” kann ich dir nur wärmstens empfehlen. Das war mein allererstes Flynn-Buch – und zugleich das beste, dass ich je von ihr gelesen habe. Das Ende ist zwar auch etwas konstruiert, aber der Rest hat mich damals beim Lesen einfach nur begeistert. Obwohl ich dich vorwarnen muss: die “Heldin” ist da auch nicht immer sympathisch. Ich mochte sie sehr, aber ich kenne auch einige, die mit ihr so gar nichts anfangen konnten. Das ist ja aber letztlich auch das, was die Bücher von Flynn auszeichnet: sie erschafft sehr ambivalente Heldinnen, die meistens unsympathisch rüberkommen. Und gegen dieses Gefühl der Abneigung muss man bei ihr konsequent anlesen.

        1. Ich kann auch mal mit einer nicht so lieben Charakterin leben. Aber an Amy konnte ich kein einziges gutes Merkmal finden. Dann lasse ich mich doch mal irgendwann auf “Cry Baby” ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.