[Kolumne] Gute Vorsätze oder warum ich daran scheitere!

Wörterkatze_Kolumne_logoJedes Jahr werden sie nach dem letzten Glockenschlag der Turmuhr, wenn das neue Jahr eingeläutet ist, wieder geschlossen: die guten Vorsätze. Manch einer nimmt sich vor nicht mehr zu Rauchen, weniger Alkohol zu trinken, sich gesünder zu ernähren, mehr Sport, weniger Stress oder mehr Zeit mit seinen Lieben zu verbringen.

Die ersten Tage funktioniert der neue Plan vom Leben vielleicht noch und man legt die Glimmstängel zur Seite, das Glas Wein am Abend wird durch Wasser ersetzt, anstatt ­eine Tüte Chips zum Fernsehabend stehen Apfelspalten und Orangen auf den Tisch, statt bequem und faul auf der Couch zu liegen, ziehen wir uns die Laufschuhe an oder melden uns in einem Fitnessstudio oder Sportverein. Wir wollen ja so gerne, es in diesem Jahr richtig machen und auch dieses Mal unbedingt durchhalten. Ach ja, wie schön wäre es, wenn wir das schaffen würden. Dann hätten wir beim nächsten Kaffeeklatsch mit Freundinnen oder beim nächsten Stammtisch mit den Kumpels etwas zu erzählen.
Aber dann ist da der Moment, dieser eine kleine Moment, der alles infrage stellt oder zu nicht macht. Du kommst nach Hause bis geschafft von der Arbeit oder dir geht es nicht gut, anstatt dein Vorhaben an dem Abend zu laufen oder dir frisch zu kochen. Ziehst du deine Tageskleidung aus und machst es dir in deinen Kuschelklamotten bequem. Schnell noch eine Tiefkühlpizza in den Ofen und ein Glas Wein aufgemacht und dann auf die Couch. Der Tag war doch stressig. Klar gibt es solche Tage, und wer hat gesagt, dass man alle Vorsätze auf einmal erfüllen muss. Morgen ist auch noch ein Tag, denkt man sich. Und dann kommt der nächste Tag und es fällt einem wieder etwas Besseres ein, als den einmal gefassten Vorsatz in die Tat umzusetzen. Und schon ist es passiert, man ­prokrastiniert, oder anders ausgedrückt man schiebt die Sache auf. Sei es wegen des Wetters, wegen der Müdigkeit oder allgemeiner Unlust. Irgendwann wird es schon werden, denn das Fleisch ist geduldig und der Geist ist schwach. Der innere Schweinehund hat wieder mal gesiegt.

So auch zu Letzt mal wieder bei mir, allerdings nicht mit dem Sport machen, das tue ich weiterhin zweimal die Woche. Daher habe ich dies nicht als Vorsatz für das neue Jahr gefasst. Vielmehr ging es bei mir um meine geliebten Bücher. Da hatte ich mir vor allem zwei Vorsätze gemacht:

  1. Nicht mehr zu viel parallel lesen und angefangene Bücher beenden
  2. Gezielter Einkaufen

Wie sollte es natürlich sein bei einer Bücherliebhaberin, die zwar eindeutig noch genug ungelesene Bücher hier stehen hat. So viele, dass sie für mehrere Jahre Buchkauffrei reichen würden.  Klar, sie schaut die Neuerscheinungen der Verlage durch und geht in ihre Stammbuchhandlung. Aber nicht nur um zu schauen. Nein, sie kauft auch und wenn es nur einmal wäre, wäre es ja noch in Ordnung. Aber es kommt ja nicht, nur ein Buch raus, das die Bücherliebhaberin unbedingt haben will, sondern viele mehr. Und waren da nicht noch Bücher aus dem vergangenen Jahr, die man unbedingt haben wollte, und noch nicht gekauft hat? Natürlich und auch die finden ein neues Zuhause bei der Wörterkatze. So geschieht das, was jedes Jahr und jeden Monat passiert – die Wörterkatze kauft ein und nicht nur in ihrer Stammbuchhandlung, sondern es gibt ja auch noch die Mängelexemplartische und die Gebraucht-Bücher-Seiten. So ist schnell, der eine Vorsatz, gezielter einkaufen zu gehen dahin. Denn dies und auch dies – oh, dass ist ja die Fortsetzung von der Reihe – so geht es dann los. Aus einem werden dann auch mal zwei, wenn nicht sogar drei Bücher. Da schlägt das Bücherherz der Wörterkatze immer höher und sie kann nicht nein sagen. Okay, Vorsatz 2 eindeutig in den Sand gesetzt. Denn das man sich dann halt in den nächsten Monaten zurückhält, kann man vergessen, denn just zur Zeiten der Buchmesse in Leipzig oder der Frankfurter Buchmesse gibt es wieder tolle Neuerscheinungen und dazwischen natürlich auch. Daher Vorsatz Nummer 2 ist eindeutig gescheitert.

Aber da ist ja noch Vorsatz Nummer 1. Nicht mehr so viel parallel lesen, sondern erst einmal das Buch beenden und wenn es doch nicht geht, mindestens nur eins parallel. Aber nein, hier stehen ja so viele Bücher herum und jedes hört sich so verdammt gut an. Aus einmal kurz rein lesen, wird dann ausgiebig schmökern und schon liegt da ein weiteres angefangenes Buch auf dem Nachttisch. Dann muss man aus dem Haus und das gerade begonnene Buch ist eindeutig zu schwer um es in die Handtasche zu packen. Klar, was macht die Wörterkatze dann, sie geht zu ihrem Regal und greift nach einem dünneren Buch für unterwegs. Schon ist ein weiteres Buch begonnen und wenn es Glück hat, und es liest sich schnell weg, dann bleibt es auch nicht einfach mal so liegen. Aber wie es nun mal einmal ist, ist es gar nicht so leicht zu lesen und es zieht sich.
Ein dicker Wälzer daheim, ein sich hin ziehendes Buch für unterwegs und man will ja auch nicht immer auf dem Sessel mit einem schweren Buch auf dem Schoß da sitzen und schon ist das dritte oder vierte angefangene dabei.
Allerdings kommt man bei den ganzen angefangenen Büchern nicht durcheinander, sondern man wählt ja mit Bedacht verschiedene Genre aus, jedenfalls tue ich dies. Und scheinbar brauche ich die Abwechslung bei der Literatur. Scheinbar kann ich nicht ein Buch im Original am Stück lesen, scheinbar kann ich einen wirklich guten Fantasy-Roman nicht auf einmal lesen. Denn oft kommt einem das Leben dazwischen und andere Dinge werden wichtiger oder man hat auch einfach mal keine Lust darauf.
So kann es gehen und so ist es mir in diesem Monat ergangen. Daher sträube ich mich nicht mehr gegen das parallel lesen und lege auch Vorsatz Nummer 1 zu den Akten. Ab heute wird wieder parallel gelesen und eins bleibt, das Ziel die Bücher auch zu beenden.

Wenn mir eines klar geworden ist, dann dies, dass ich in dieser Silvesternacht, wenn die Turmglocken und das Feuerwerk wieder das neue Jahr einläuten, keine Vorsätze mir für 2016 machen werde. Denn ohne Vorsätze lebt es sich auch ganz gut und man braucht sich auch kein schlechtes Gewissen zu machen.

Wie ist es bei Euch habt ihr Euch Vorsätze für das Jahr gemacht? Haltet ihr euch an sie oder seit ihr, wie ich schon daran gescheitert?

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4 Antworten auf „[Kolumne] Gute Vorsätze oder warum ich daran scheitere!“

  1. Oh, bei Buchverbots-Vorsätzen ist auch bei mir das Scheitern vorprogrammiert. Ich habe mir für dieses Jahr zwar mal wieder meinen SUB vorgenommen und in ein Bingospiel (kombiniert mit Buchkaufvorgabe) verpackt und es gat auch schon gut begonnen. Aber, wer so richtig an Tsundoku leidet, dem hilft wohl auch kein Bingospiel. :-) Ich habe nämlich auch schon an die LBM gedacht…

    1. Hallo Tintenelfe,
      das Bingospiel habe ich auch gesehen, aber für mich als nicht gerade passend empfunden. Dazu lese ich viel zu unterschiedlich und auch zu sprunghaft. Die Buchmessen werde ich wohl bei meinem Glück beide nicht besuchen. Die Leipzig fällt für mich auf jeden Fall schon mal flach und was mit Frankfurt ist, steht noch in den Sternen.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal ernsthafte Vorsätze gefasst. Mein Studium geht ja vorbei und darum gilt es, die Kaufgewohnheiten einer Literaturstudentin abzulegen (billige unschöne Klassikerausgaben in Massen) und den eigenen Geschmack zu finden, jetzt wo ich meine Lektüre – jedenfalls für’s Erste – ganz selbstbestimmt wählen darf ^^ Mal sehen, wie weit ich komme.
    Was das Kaufen angeht, habe ich den Wunsch, nur noch schöne Ausgaben zu kaufen, aber auch davon möglichst wenig. Ein absoluter Kaufbann ist fast unmöglich einzuhalten und verdirbt einem doch nur den Spaß.

    1. Hallo Cat,
      dann bin ich mal auf deine Bücher für dieses Jahr gespannt und du hast recht ein Kaufbann für Bücher kann man als Bücherliebhaberin einfach nicht durchhalten.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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